Christliches Gymnasium Rudolf Stempel in Riesa

Stadt: Riesa
Bundesland: Sachsen
Internetseite: www.schulzentrum-riesa.de
Emailadresse: schulleitung@schulzentrum-riesa.de

Anzahl der Schüler: 39
Alter der Schüler: 10 – 15
Schulform: Gymnasium
Anzahl der Lehrer: 14
privat/staatlich: privat

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LERNKULTUR

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten eine Lernkultur der Potenzialentfaltung an Schulen umzusetzen. Hier sehen Sie wie diese Schule in verschiedenen Bereichen arbeitet.

Selbstorganisiertes und individualisiertes Lernen

Jeder Schüler von uns besitzt ein Logbuch, das gleichzeitig Hausaufgabenheft und Reflexionshilfe für das Lernbüro ist. In unseren 6 Stunden Lernbüro (D/Ma/Eng) erarbeiten sich die Schüler nach fachlichen Schwerpunkten und mithilfe von differenzierten Aufgaben die Themen der einzelnen Fächer. Ihre Kompetenzentwicklung in den einzelnen Bereichen steht im Fokus des Lernens. Individuell bestreiten sie den Abschlusstest und erhalten eine Urkunde, in der verbal rückgemeldet wird, welche Aspekte bereits gut waren sowie an welchen weiter gearbeitet werden muss. Diese Rückmeldungen sind sowohl prozess- als auch ergebnisorientiert. Die Urkunde steht in Verbindung mit einer Ziffernzensur.

Lehrer als Lernbegleiter

Jeder Schüler unserer Schule hat einen Tutor, mit dem er sich einmal wöchentlich zu einer festgelegten Zeit trifft. Dies geschieht gegen Ende der Woche. Es wird der Blick auf die zurückliegenden Tage geworfen und erörtert, inwieweit die Lernziele für die einzelnen Lernbüros sowie für alle weiteren Unterrichtsstunden erreicht wurden. Gemeinsam wird zudem ein Ereignis oder Moment besprochen, auf den der Schüler stolz ist. Der Schüler schätzt sich selbstständig in Bezug auf Arbeitshaltung, Regelrespektierung, vergessene Dinge und Wochenfeedback ein – dies geschieht im Gespräch mit dem Tutor. Abschließend wird die anstehende Woche geplant, sodass der Schüler zunehmend lernt, sich eigenständig Ziele für die Lernzeit im Lernbüro und für die anderen Unterrichtsfächer zu setzen.

Projektbasiertes Lernen

Pro Schulhalbjahr wird ein Thema fächerverbindend unterrichtet. Dieses projektbasierte Lernen wird in regelmäßigen Projektsitzungen von Kindern und Lehrern reflektiert. Die Schüler bestimmen dabei das weitere Vorgehen z.B. Vertiefung, Abschluss, Außenpräsentationen mit, während die Lehrer als Coaches die dazu notwendigen Voraussetzungen schaffen.

Räumliche Gestaltungsideen für eine Lernkultur der Potenzialentfaltung

Unsere Schüler haben einen Arbeitsplatz mit einem eigenen Schrank, in dem sie ihr Material (Bücher, Hefter, weitere Utensilien) aufbewahren. Die Verantwortung für den eigenen Arbeitsplatz trägt jeder Schüler eigenständig. Schülerwerke werden in unseren Schulräumen ständig zur Ausstellung genutzt und in das aktive Lerngeschehen eingebunden.

Wertschätzende Leistungsrückmeldung

Die Pädagogen unserer Schule streben eine wertschätzende Leistungsrückmeldung sowohl im wöchentlichen Tutorengespräch als auch in den Urkunden nach dem Abschluss jedes Lernbausteins im Lernbüro an. Dreimal im Schuljahr finden zudem Ziel- und Bilanzgespräche statt, bei denen Schüler und Tutor gemeinsam nach drei Zielen suchen, deren Umsetzung für das anstehende Vierteljahr realistisch erscheinen.  Nach dieser Zeit wird bilanziert, inwieweit die angestrebten Ziele erreicht wurden. Es werden wiederum neue Ziele vereinbart.

Lernen durch Engagement

In unserer Schule gibt es das Fach Verantwortung, bei dem die Schüler als Hausaufgabenhilfe in der benachbarten Grundschule, als Betreuer in der Kita oder im Hort sowie als PC-Coach in der Seniorenarbeit tätig werden. Die Kinder schulen auf diese Weise ihre sozialen und emotionalen Kompetenzen und reifen in ihrem Selbstbewusstsein. Sie verstehen, dass ihr schulisches Lernen einen Sinn hat und können durch ihr Engagement positiven Einfluss ausüben und lernen, Verantwortung für andere Menschen zu übernehmen.

Lernen im Leben

Unsere Schule strebt die Kooperation zu Wirtschaftsunternehmen der Region, zu kulturellen Einrichtungen und zu höheren Bildungseinrichtungen (Staatliche Studienakademie) an. Wir stehen in Kooperation mit der Musikschule, Freizeiteinrichtungen der Stadt und Wirtschafts- und Industrieunternehmen, die Einblicke in das berufliche Leben ermöglichen. Wir sind darum bemüht, diese Kontakte zu intensivieren und auf weitere Bereiche/Unternehmensbranchen auszubauen.

Herausforderungen stellen sich unsere Schüler in regelmäßigen Abschnitten, indem sie eigene Projekte den Grundschülern der Stadt näherbringen, Aktionstage ins Leben rufen und bei Demonstrationen für ihre Rechte einstehen.

Zusammenarbeit mit den Eltern

Der Einbezug von Experten in den Unterrichtsalltag ist eine wichtige Erfahrung für die Kinder. Daher führen wir eine Elternliste, in der sich die Eltern eingetragen haben, zu welchen unterrichtlichen Themen sie unterstützen würden. Auf diese Zusammenarbeit wird regelmäßig zurückgegriffen.

Umgang mit Heterogenität

In unserer Schule werden behinderte und nicht behinderte Kinder unterrichtet. Da wir den Blick auf jedes Kind individuell entsprechend seines Potenzials legen, ist eine bestmögliche Förderung jedes einzelnen Kindes möglich. Heterogenität wird als Bereicherung verstanden und gelebt. Gruppenübergreifende Lernkonzepte ermöglich darüber hinaus das gemeinsame Lernen in verschiedenen Altersstufen.

Gelebte Schulgemeinschaft

Unsere Schulgemeinschaft wird mit allen Schülern, Eltern, Lehrern und Vereinsmitgliedern in alle wichtigen Entscheidungen bezüglich der Schulentwicklung eingebunden. Einmal pro Schuljahr wird der Unterrichtsalltag mit all seinen Strukturen evaluiert. Daran werden alle an Schule Beteiligten involviert sowie daraus weitere Prozessschritte der Weiterentwicklung abgeleitet.

Jeden Freitag findet als Wochenabschluss die Schulversammlung statt, in der sowohl das Loben als auch das Üben von Kritik realisiert wird. Es wird sich gemeinsam an schöne Momente der zurückliegenden Woche erinnert und Probleme werden diskutiert.

Demokratische Mitbestimmung des Schulteams

Wöchentlich finden sich unsere Schüler im Klassenrat zusammen und besprechen gemeinsam die zurückliegende Woche. Sie haben in einer Liste dazu die Erlebnisse gesammelt, die ihnen besonders gut gefallen haben und was sie als kritisch beurteilen. Zudem haben sie Wünsche für die anstehende Woche oder für das tägliche Miteinander gesammelt. Unter Regie der Klassensprecher werden diese Dinge vorgetragen und erläutert. Bei Problemen wird gemeinsam nach Kompromissen oder Lösungen gesucht. Dabei halten sich die Lehrer bewusst zurück und schreiten nur bei großen Schwierigkeiten ein.

Zusammenarbeit des Schulteams

Regelmäßig finden sich die Lehrer in Kleinteams zusammen und erörtern fachliche Fragestellungen. Dabei wird der Blick auf jedes Kind individuell geworfen und Fördermöglichkeiten erörtert.

Strukturelle Rahmenbedingungen für eine neue Lernkultur

Der Unterricht findet in Blöcken à 90 Minuten statt. Zusätzliche Zeitstrukturen werden durch die Projektarbeit im Bereich der Gesellschaftswissenschaften geschaffen. Es wird eine 30-minütige Frühstücks- sowie eine 60-minütige Mittagspause angestrebt, in denen nach dem gemeinsamen Essen Arbeitsgemeinschaften besucht werden können oder auf dem Schulhof die Pause genossen werden kann. Am Nachmittag haben die Schüler die Möglichkeit, gemeinsam Hausaufgaben zu machen, zu lernen oder nochmals im Lernbüro zu arbeiten. Pädagogen stehen den Schülern unterstützend zur Seite.

Lernen mit digitalen Medien

Unsere Schule hat einen eigenen Schulblog, der von den Schülern gestaltet wird. Zudem gibt es mobile Laptop-Benutzermöglichkeiten, die jederzeit im Unterricht genutzt werden. Eine Intensivierung der Arbeit mit digitalen Medien wird angestrebt.

Lernende Schule

Wir sind auf dem Weg und lernen täglich dazu. Ein guter Austausch mit Partnerschulen, regelmäßige Teilnahmen an Fortbildungen (z.B. Vision Summit) und eine gute Zusammenarbeit zwischen Schülern, Lehrern, Eltern und dem Schulverein sind unsere ersten Schritte in die Richtung einer lernenden Schule.

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Was ist der Leitgedanke Ihrer Schule?

„Die Schule sollte es sich immer zum Ziele setzen, den jungen Menschen als harmonische Persönlichkeit und nicht als Spezialisten zu entlassen.” (Albert Einstein)

Auf welche Aspekte Ihre Schule sind Sie besonders stolz?

Die Lehrer unserer Schule schätzen jedes Kind in seiner Persönlichkeit. Sie fördern es sowohl in seiner individuellen kognitiven, als auch in der sozialen und emotionalen Entwicklung. Dabei ist ein respektvoller Umgang miteinander und eine gute Zusammenarbeit mit dem Elternhaus zentral. Wir streben zudem eine enge Verbindung zwischen Schul- und Berufswelt an, weshalb regelmäßig Experten den Fachunterricht bereichern und feste Projekte in Unternehmen angestrebt werden.
Besonders stolz sind wir auf den Anerkennungspreis, den unsere Schule aufgrund des Projekts ‘Kinderrechte sind auch deine Rechte’ von UNICEF im Juni 2013 in Frankfurt/Main sowie auf den Sonderpreis, den wir im Juni 2014 erhielten. Wir freuen uns zudem über den 2. GRIBS-Preis im November 2013 und über den Bildungspreis der Ergostiftung im Juli 2014.

Wie ist es dazu gekommen, dass Sie eine Schule im Aufbruch geworden sind?

Unsere Lehrkräfte sind sich bewusst, dass es in unserer Gesellschaft einer neuen Lehr- und Lernkultur mit veränderten Inhalten und Methoden bedarf. Sie haben an der Schüler-Lehrer-Weiterbildung am ESBZ Berlin teilgenommen und waren begeistert. In diesem Zusammenhang wurde über die Initiative “Schule im Aufbruch” gesprochen, sodass wir darauf aufmerksam wurden.

Welche Entwicklung möchten Sie mit Ihrer Schule als nächstes angehen?

Ab dem neuen Schuljahr 2015/2016 streben wir den Aufbau eines fächerübergreifenden Projektunterrichts in den Gesellschafts- und Naturwissenschaften an, der teils auch biliguale Züge enthalten wird. Dieses Unterrichtsformat wird schrittweise in den nächsten Jahren eingeführt und vertieft. Dem Grundsatz der Inklusion rücken wir in jedem Schuljahr etwas näher und unterrichten Schüler mit und ohne Handicaps verschiedener Form.