Ev. Schule Berlin Zentrum

Stadt: Berlin
Bundesland: Berlin
Internetseite: www.ev-schule-zentrum.de
Emailadresse: buero[at]ev-schule-zentrum.de

Anzahl der Schüler: ca. 450
Alter der Schüler: 11 – 19
Schulform: Gemeinschaftsschule/Gesamtschule
Anzahl der Lehrer: 57 inkl. Sozialpädagogen
privat/staatlich: privat

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LERNKULTUR

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten eine Lernkultur der Potenzialentfaltung an Schulen umzusetzen. Hier sehen Sie wie diese Schule in verschiedenen Bereichen arbeitet.

Selbstorganisiertes und individualisiertes Lernen

Jeder Mensch ist einzigartig! Jeder Mensch ist als eigenständige Persönlichkeit zu achten. Jeder hat das Bedürfnis, so wie er ist, gesehen und angenommen zu werden, dazugehören zu dürfen und seine Begabungen und Talente zu entfalten.  Jede zählt, jeder ist einzigartig! In der esbz soll jede und jeder finden, was man als Mensch immer und überall braucht: Anerkennung, Zugehörigkeit und Autonomie.

Das Kind steht im Zentrum, Schülerinnen und Schüler sind Subjekte ihrer eigenen Lernprozesse und gleichwürdige Bildungspartner. Neben der Entwicklung von kognitiven Begabungen, dem Aufbau methodischer Kompetenz zur Generierung und Beurteilung von Wissen, der Einschätzung der eigenen Domäne, Stärken und Schwächen, der Ermöglichung individueller Suchstrategien geht es uns gleicher- maßen um die Entwicklung von Metakompetenzen wie effektive Organisation und Teamfähigkeit, Planungs- und Strategiekompetenz, Kreativität, Intuition und Herzkraft, Verantwortung und Gemeinsinn, Vision und Bestimmung, Handlungs-Mut und Gestaltungskompetenz.

Unsere Schülerinnen und Schüler lernen in Lernbüros Deutsch, Englisch, Mathematik, Natur & Gesellschaft. Sie entscheiden tagtäglich darüber, was sie wann und wie lernen wollen. In Lernbüros werden die curricularen Basics erarbeitet. Individualisierung ist möglich in Bezug auf Zeitintensität pro Fach, Komplexität, Sozialform. Die Schüler bestimmen den Zeitpunkt für ihre Leistungsnachweise selbst. Das bedeutet den mentalen Wandel von du sollst zu ich kann. Besondere Begabungen können eingebracht werden, indem schneller, auf höherem Niveau, tiefgründiger, mit ausgefallenen Präsentationen oder Leistungsnachwesen gearbeitet werden kann.

Wir arbeiten in Jahrgangsmischung 7-9. Das bedeutet Auflösung des Frontalunterrichts zugunsten kooperativen Arbeitsformen und selbstregulativer Lernarrangements. Die SchülerInnen arbeiten weitestgehend selbstständig, in klarer Struktur, mit dem Logbuch als Steuerinstrument (zum Download hier: http://www.ev-schule-zentrum.de/index.php?id=downloads_zentrum).

Eine weitere Form des selbstbestimmten und selbstorganisierten Lernens sind Werkstätten. Werkstätten finden zweimal wöchentlich statt und werden halbjährlich gewählt. Es gibt Pflicht- und Wahlbereiche. So können hier besondere Interessen und Begabungen intensiviert werden.

Werkstätten werden angeboten:

  • von Lehrerinnen und Lehrern
  • außerschulischen Partnern
  • Eltern können sich mit ihren Expertisen einbringen wie Fotografie, Theater, Design, IT, Musik, Handwerk, Fremdsprachen, Architektur – ebenso von SchülerInnen als Experten mit Schülerwerkstätten.

Lehrer als Lernbegleiter

Eine wertschätzende Beziehungskultur prägt den Geist der Schule.
Lehrerrolle und Haltung sind die eines Lernbegleiters und Mentors. Er oder sie unterstützt die Lernenden in der Entwicklung ihrer Lernpfade und ihrer Reflexivität und damit in der Entwicklung autonomen Handels.

Jeder Jugendliche hat eine/n Lehrer/in als Coach, seinen Tutor, der ihn lange Zeit begleitet. Jede Woche findet ein Tutorgespräch statt. So entstehen stabile Beziehungen und Vertrauen. Das ist wie unten abgefedert, oben nicht gedeckelt – so hat es Bennet, ein 12jähriger hochbegabter Schüler einmal erklärt, als er zu den offenen Lernformen und den Tutorgesprächen von einem Journalisten interviewt wurde. Ausgedrückt hat er damit auf sensibel eingefühlte Weise den Zusammenhang und die Balance von Freiheit und Verantwortung, von Zutrauen und Zumuten einerseits und Schutz und Sicherheit durch persönliche Lernbegleitung andererseits.

Projektbasiertes Lernen

Projektbasiertes lernen ist an der esbz strukturell verankert. Jeden Donnerstag ab 10:30 bis Schulschluss arbeiten unsere Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 7 bis 9 – betreut durch ihre Klassenlehrer – über mehrere Wochen an einem fächerübergreifenden Thema. Je nach Aufgabe tun sich auch die drei Klassen eines Kleinteams arbeitsteilig zusammen.

Es gibt drei große Projekte im Jahr. Hier werden Themen kooperativ, interdisziplinär und verständnisintensiv erarbeitet. Gefördert werden Team- und Kooperationsfähigkeit, Prozess- und Selbstorganisation, Handlungskompetenz, kreative Fähigkeiten. Die Schülerinnen gehen eigenen Forscherfragen nach.

Das Lernen vollzieht sich zeitlich konzentriert (epochal) und verständnisintensiv (exemplarisch) unter einem Oberthema. Innerhalb dieses Rahmens werden Inhalte und Anforderungen der Rahmenpläne abgedeckt. Die Schülerinnen und Schüler verfolgen eigene Forscherfragen und lernen unterschiedliche Zugänge, Methoden und Präsentationsformen kennen. Die Ergebnisse verantwortet die Gruppe. Am Ende eines jeden Projektes stellen die Klassen ihre Ergebnisse den Mitschülern, Eltern, Lehrern und Partnern der Schule oder der Öffentlichkeit vor. Alle Beteiligten sind bei diesem Prozess Lehrer und Lerner zugleich und können voneinander lernen.

Da der Projektunterricht für alle Klassen parallel läuft, besteht auch die Möglichkeit, dass sich bei Angeboten von außen klassenübergreifend besonders Interessierte oder Begabte zusammenfinden, wie z.B. beim Projekt Archäologische Forschungen und Grabungen, beim Design Thinking Projekt am Hasso Plattner Institut in Potsdam, beim Projekt Demokratour im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung oder beim Geschichtswett- bewerb des Bundespräsidenten.

Räumliche Gestaltungsideen für eine Lernkultur der Potenzialentfaltung

Unsere Schule ist ein Labor, eine lernende Organisation. Und so gestalten wir auch unsere Räume. Die esbz ist in zwei Plattenbauten Typ Dresden beheimatet, die zur Schulgründung trist und grau waren. Doch dies war und ist eine Chance: Unsere Gebäude und Raumsituation ermöglichen es uns, kreativ und eigeninitiativ zu gestalten.

Unsere Außenanlage wird ist Schauplatz verschiedenster Projekte: Unsere Schülerinnen und Schüler bauen Außenmöbel, gestalten die Beete und pflanzen, was für Unterricht und Wohlbefinden gebraucht wird. Im Rahmen einer Bauwoche wurde ein Lehmofen gebaut, in dem Pizza und Brot gebacken werden kann.

Gemeinsames Lernen braucht besondere Orte: In unseren beiden Häusern findet man unsere Klassenzimmer, die gleichzeitig Lernbüros sind. Lernbüros sind nach Fächern geordnet, darin findet man übersichtlich geordnet Lernbausteine und Unterrichtsmaterial. Selbstlernzentren sind Orte, an denen unsere SchülerInnen individuell lernen können. Dort findet man Computerarbeitsplätze, eine Bibliothek und viel Platz zum Arbeiten. Im Raum der Stille ist Platz für Meditation. Unser Forum, ein Holzbau für bis zu 300 SchülerInnen, ist ein Ort der Zusammenkunft und der Gemeinschaft. Es ist darüber hinaus beliebter Veranstaltungsraum für die Schule, für Eltern, aber auch für Kooperationspartner von außerhalb wie z.B. das Lietze-Orchester. Das Forum hat direkten Anschluss zu unserer Mensa, die mit gemütlichen Holzbänken und Tischen zum Essen und Verweilen einlädt.

Wertschätzende Leistungsrückmeldung

Eine wesentliche Voraussetzung damit Kinder ihre Potenziale entfalten und Höchstleistungen erbringen können, ist eine gelebte Leistungs- und Anerkennungskultur. Anerkennung und Auszeichnung sind entscheidende Faktoren für Motivation, für das Lernen, das Weiter-Lernen Wollen, das Engagement von Kindern und Jugendlichen. Gegen die Tendenz, gute schulische und anerkennenswerte Verhaltensleistungen mies zu machen, gilt es, die Gegentendenz zu setzen –

Geschichten vom Gelingen mit der Botschaft:

Du zählst hier! Du bist wichtig!
Deine Fähigkeiten brauchen und auf sie vertrauen wir! Deine Möglichkeiten fördern wir!
Du kannst Dich offen zeigen!
Du bist einzigartig – und alle anderen auch!

Unserem Bildungsverständnis entsprechend haben wir ein differenziertes System der Leistungserkennung und –würdigung erarbeitet, das wir kontinuierlich weiterentwickeln. Dialogische Verfahren, Lernprozessreflexionen, Selbsteinschätzungen und individuelle Formen der Leistungsrückmeldung wie Zertifikate, Lernberichte, Portfolio sind etabliert. Neben dem Produkt werden personale und prozessuale Leistungen eigenständig und gleichermaßen in Textform bewertet. Ab Klasse 9 gibt es zusätzlich Noten.

Leistung ist an der esbz gewollt und wird vielfältig und differenziert anerkannt. Neben den oben genannten individuellen Leistungsrückmeldungen und -Bewertungen gibt es in der esbz auch eine öffentliche Auszeichnungskultur:

Lobe auf den wöchentlichen Schulversammlungen
Auszeichnungsversammlungen mit Urkunden am Ende jeden Halbjahres (Leistungsbeste, sozial Engagierteste und jeweils dazu die Aufsteiger des Jahres, weitere Auszeichnungen)
Auszeichnungen beim jährlichen Verantwortungsfest, bei dem besondere Verantwortungsübernahme anerkannt wird.

Das Besondere: Die Schülerinnen und Schüler sind selbst die Akteure.
Sie gehen bei den Schulversammlungen spontan auf die Bühne und loben, sie diskutieren in den Klassen, wer eine Auszeichnungsurkunde verdient hat. Sie haben den Mut dazu.

Lernen durch Engagement

Die entscheidenden Erfahrungen machen Menschen dann, wenn sie sich gemeinsam mit anderen um etwas Wichtiges kümmern. Deshalb ist zivilgesellschaftliches Engagement als Kernelement in der Schulkultur verankert. Im Projekt Verantwortung übernimmt jeder im Jg. 7 und 8 eine verantwortungsvolle Aufgabe im Gemeinwesen – Pflicht für alle, mit hohen Freiheitsgraden in der Wahl der Aufgabe.

Lernen im Leben

Das 21. Jahrhundert braucht eine Vielfalt von Talenten und Persönlichkeiten. Es ist wichtig, jungen Menschen die Gelegenheit zu geben, zu entdecken und zu experimentieren – ästhetisch, sportlich, wissenschaftlich, kulturell und sozial. „Kinder brauchen immer wieder Gelegenheit, etwas zu erfahren, was unter die Haut geht, was sie berührt und begeistert“ – so der Hirnforscher Gerald Hüther. „Selbstvertrauen und Zuversicht sind Fähigkeiten, die in den Menschen wachsen müssen, nicht von außen, sondern von innen.“ An der esbz haben wir in jedem Jahrgang Gelegenheitsstrukturen für das Lernen im Leben strukturell verankert.

Im Projekt Herausforderung suchen sich alle Schüler dreimal, im Jg. 8, 9 und 10, eine dreiwöchige Herausforderung außerhalb von Berlin, alleine oder in der Gruppe, mit 150,00 € Budget.

Die Jugendlichen sollen dabei ihre Grenzen erfahren, sich erproben sowie soziale, körperliche und entwicklungspsychologische Leistungen erbringen, auf die sie stolz sein können. Das Projekt bietet allen Jugendlichen die Möglichkeit, sich persönlich zu entwickeln und zu stärken. Lebenserfahrung und Lebensorientierung werden erlebbar. Umgang mit Ungewissheit und Scheitern, Teamkompetenz, Kooperations- und Konfliktfähigkeit, Handlungskompetenz, Folgenabschätzung, Impulskontrolle, Selbstwirksamkeit werden gefördert. Hochbegabte finden beim Format Herausforderung verlässliche Möglichkeiten und Zeit für problemlösendes Denken und können ihren besonderen Begabungen nach- gehen- Sie werden gefördert in Interessen, motivationalen Tendenzen und Willenskompetenzen.

Zusammenarbeit mit den Eltern

An der esbz sind Eltern willkommen und werden als kompetente Partner verstanden und eingebunden. Alle Eltern, die neu an der Schule sind, werden verpflichtend in der sog. Elternschule einen Tag lang in das System der ESBZ eingeführt. Unsere Eltern verpflichten sich außerdem auf Elternarbeit: Sie beteiligen sich mit 3 Zeitstunden Arbeit pro Monat am Schulleben. Die AG Elternarbeit koordiniert diese Arbeit ressourcen- und stärkeorientiert. An einer Vielzahl von gemeinsamen Abendveranstaltungen machen wir unsere Schule zu einem Haus des Zusammenlebens von Schülern, Lehrern und Eltern.

Wir veranstalten regelmäßig Themen-Elternabende, auf denen wichtige aktuelle Themen diskutiert werden, auch mit außerschulischen Experten. Wir feiern jedes Schuljahr einen Eltern-Lehrer-Tanzball. Eltern haben den sog. Strukturausschuss gegründet, der ein sog. Elternhandbuch entwickelt hat. Es erklärt, welches die wichtigen Elemente, Strukturen und Regeln an der esbz sind. Der Strukturausschuss koordiniert die Strukturverbesserung an der Schule und verbessert die Transparenz für alle an Schule beteiligten.

Umgang mit Heterogenität

Unsere Gemeinschaftsschule soll ein Haus des Lernens sein, in dem alle willkommen sind und sich angenommen fühlen. An der esbz lernen Kinder mit Begabungen aller Art, Kinder mit Handicap und Kinder aus vielen unterschiedlichsten Kulturkreisen.
Diese Heterogenität erzeugt im Zusammenspiel mit der Jahrgangsmischung ein Gemeinschaftsgefühl sowie ein Klima von Akzeptanz und Wertschätzung für Verschiedenheit.
Für unsere Kinder mit unterschiedlichen Förderschwerpunkten bieten wir besondere Angebote. Zentrales Element ist unser Lernbüro Plus. Entsprechend dem Rahmenlehrplan für die jeweiligen Förderschwerpunkte ist es mit anderen Materialien ausgestattet, bietet mehr Platz und es sind mehr Tutoren dort präsent, die jederzeit intervenieren können. Wir arbeiten an unserer Schule mit Lernpfaden.

Es gibt drei Lernpfade: der Zwei-Stern-Pfad ist der Normbereich, der Ein-Stern-Pfad bedeutet fördern, der Drei-Stern-Pfad steht für fordern.

Von Baustein zu Baustein wird neu entschieden, welcher Lernpfad der optimale ist. Im Lernbüro Plus gibt es zudem sogenannte freie Bausteine, die es den Lehrern ermöglichen, noch differenzierter Zertifikate zu vergeben. Im Lernbüro Plus kann man beispielsweise mit Rechenbrettern arbeiten und darin ein Mathe-Zertifikat zu machen.

Aktive Hilfestellung leistet dabei immer unser sonderpädagogisches Personal.

Gelebte Schulgemeinschaft

Schulgemeinschaft wird an jedem Ende der Woche in unserer Vollversammlung gelebt. Hier wird gemeinsam das Lied der Woche gesungen, es gibt eine Lobrunde, in der jeder aus der Schulgemeinschaft andere Mitmenschen loben kann, es wird zum Abschluss gemeinsam das Vater Unser gebetet – jedes Mal in einer anderen Sprache.

Schulgemeinschaft wird aber auch in anderen Ritualen deutlich: Neue Schüler werden beim ersten Schultag mit einer Sonnenblume von anderen Mitschüler begrüßt. Die Herausforderung wird mit einem gemeinsamen Reisesegen begonnen – unsere Lehrer singen dann für unsere Schüler und wünschen Glück und Segen für die bevorstehende Reise.

Demokratische Mitbestimmung des Schulteams

Siehe: (Demokratische) Zusammenarbeit des Schulteams

Zusammenarbeit des Schulteams

Wir sind eine Teamschule, da wir davon überzeugt sind, dass eine gute Beziehungskultur mit Kooperationsstrukturen auch für das Kollegium eine Qualität darstellt. Teamarbeit wird von Anfang an gefordert und gefördert.

Die kleinste Einheit ist das Klassen-Tandem: Jede Klasse hat zwei Klassenlehrer. Sie sind die Tutoren, die als Vertrauenspersonen und für Erziehungsfragen und die Elternzusammenarbeit in besonderem Maße verantwortlich sind.

Jeweils drei Klassen bilden ein Kleinteam, zu dem sechs Lehrer mit unterschiedlichen fachlichen, sozialen und methodischen Kompetenzen gehören. Dieses Kleinteam bildet das Zentrum unserer Bildungs- und Erziehungsarbeit. Das Kleinteam wählt Teamsprecher, die aim erweiterten Schulleitungs-Team vertreten sind. Das Kleinteam, koordiniert und evaluiert seine fachliche und pädagogische Arbeit, oft.

Die Erzieher und Sozialpädagogen sind unser »Team Q«, sind aber auch in den Kleinteams engagiert und nehmen themenbezogen an deren Sitzungen teil.

Alle zusammen genommen sind das Großteam, also das Großkollegium.

Wir haben ein erweitertes Schulleitungsteam welches aus der Schulleiterin, der pädagogischen Leiterin, der Mittelstufenleiterin, der Oberstufenleiterin, den Sprechern der Kleinteams und einem Mitarbeitervertreter besteht.

Strukturelle Rahmenbedingungen für eine neue Lernkultur

Radikale Veränderung alter institutioneller Strukturen verändert nachhaltig die Schulpraxis und das pädagogische Handeln. Durch jahrgangsübergreifende Klassen und das Lernbüro-System ist Frontalunterricht unmöglich geworden. Unsere Schule bietet viele Freiräume für Eigeninitiative und Ausleben eigener Interessen (z.B. drei Wochen Herausforderung, siehe Lernen im Leben). Durch die Teamstruktur wird die Zusammenarbeit zwischen den Lehrkräften stärker gefördert. Das erweiterte Schulleitungsteam (siehe Zusammenarbeit des Schulteams). Die klassische Lehrerrolle verändert und entwickelt sich durch das Tutorensystem. Durch die persönliche Beratung, die jeden Freitag stattfindet und für die unsere LehrerInnen zwei Stunden zur Verfügung haben, begegnen sich Lehrer und Schüler jede Woche auf persönlicher Ebene (siehe Lehrer als Lernbegleiter).

Lernen mit digitalen Medien

Unsere Schule bietet eine hervorragende Infrastruktur zum digitalen Lernen. Die Lernplattform it’s learning bietet die Basis für die Kommunikation und Austausch von Materialien zwischen Lernbegleitern und SchülerInnen und zwischen den LehrerInnen und der Schulleitung. Das ganze Schulgebäude bietet WLAN.

Seit 2013 werden mehrere Klassen mit Tablets ausgestattet, mit der wir unsere Schritte zur digitalen und papierfreien Schule konsequent weitergehen wollen. Digitale Medien eröffnen bei starker Einbettung in den Schulalltag und nachhaltiger pädagogischer Begleitung neue Lernwelten: eine noch stärkere Individualisierung von Lernen & Kollaboration beim gemeinsamen Arbeiten der SchülerInnen, noch stärkere Projektbezogenheit, effizienterer Einsatz von Computer im Klassenzimmer. Diese Einführung wird von der Johannes Gutenberg-Universität wissenschaftlich begleitet.

Wir kooperieren mit verschiedenen Partner, um digitales Unterrichtsmaterial einzusetzen: Ein Pilotprojekt mit sofatutor.com bringt Lehrvideos direkt in unseren Unterricht.

Jeder Schüler und jede Schüler hat Zugang zu der Sprachplattform Rosetta Stone. So können Schülerinnen und Schüler auch von zuhause aus Vokabeln üben und in neue Sprachen reinschnuppern.

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Was ist der Leitgedanke Ihrer Schule?

Schulethos der esbz ist das Leitbild der Nachhaltigen Entwicklung, formuliert in der AGENDA 21. Es bezieht Sinn- und Wertefragen als Querschnittsaufgabe in die Lernbereiche ein. Verständigung und Bewusstsein für eine globale Verantwortung sind wesentliche Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Das Zusammenleben zu lernen ist eine der wichtigsten Aufgaben der Zeit und wir alle müssen Verantwortung übernehmen: für uns selbst für unsere Mitmenschen, für unseren Planeten.

Unser pädagogisches Grundverständnis:
Jeder Mensch ist einzigartig!
Jeder Mensch ist als eigenständige Persönlichkeit zu achten.
Jeder hat das Bedürfnis, so wie er ist, gesehen und angenommen zu werden, dazugehören zu dürfen und seine Begabungen und Talente zu entfalten.
Jede zählt, jeder ist einzigartig!
In der esbz soll jede und jeder finden, was man als Mensch immer und überall braucht: Anerkennung, Zugehörigkeit und Autonomie.

Das Kind steht im Zentrum, Schülerinnen und Schüler sind Subjekte ihrer eigenen Lernprozesse und gleichwürdige Bildungspartner.

Auf welche Aspekte Ihre Schule sind Sie besonders stolz?

Ein offenes Haus des Lernens zu sein, dessen Energie und Kreativität man nach Betreten des Schulgeländes sofort fühlt.
Ein mutiges, inspirierendes Kollegium. Eine noch mutigere Schülerschaft.

Wie ist es dazu gekommen, dass Sie eine Schule im Aufbruch geworden sind?

Die Gründerin Margret Rasfeld ist auch die Gründerin von Schule im Aufbruch. Das Modell der ESBZ diente auf der Roadshow ‘Lernlust statt Schulfrust’ und dient bei Schüler schulen Lehrer als Ort der Inspiration.

Welche Entwicklung möchten Sie mit Ihrer Schule als nächstes angehen?

Wir begreifen Schule als lernende Organisation. Schule muss sich immer wieder neu erfinden, wenn sie für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts fit sein will. Wir stellen uns diese Frage jeden Tag und arbeiten mit viel Herzkraft und Energie daran, dieses Versprechen einzulösen.

Uns bewegt gerade diese Frage: Wie können wir Oberstufe so weiterentwickeln, dass Selbstorganisiertes und kollaboratives Lernen möglich ist, fernab von klassischen Grund- und Leistungskursen? Wie können wir vielfältige Begabungen dadurch fördern, indem wir in der Oberstufe vielfältige Lernwege bereitstellen? Wie können wir unsere Jugendlichen noch besser auf die Herausforderungen nach der Schulzeit vorbereiten?

Während wir in den Klassen 7 bis 10 innovative Unterrichtskonzepte etabliert haben, muss sich unsere Oberstufe weiterentwickeln, wir müssen sie radikal neu denken. LehrerInnen und SchülerInnen, aber auch Hochschulen und Unternehmen, sehnen sich nach Innovation und Experimenten in der Ausbildung hin zum Abitur. Die Anforderungen an die AbiturientInnen haben sich verändert: Hochschulen wollen Studienanfänger, die wissen, wieso sie sich für das angestrebte Studium interessieren und welche Haltung hinter der Person steckt. Das klassische Abiturzeugnis sagt darüber wenig aus. Unternehmen schauen immer weniger auf Notendurchschnitte, sondern auf die Persönlichkeit. Sie suchen Mut, Kreativität, Querdenker mit Team-, Beziehungs- und Vernetzungsfähigkeit.

Hier liegt eine große Herausforderung, die wir nun angehen.