Monia von Monia, Team Schule im Aufbruch

Es gibt eine zwischenmenschliche Dynamik, aus der ein Entkommen schwer ist und die nicht sonderlich lösungsorientiert ist: das Dramadreieck. Ursprünglich von Stephen Karpman im Rahmen der Transaktionsanalyse entstanden, wird es doch inzwischen in allen Bereichen eingesetzt: von der Entwicklung von Märchen zur Analyse von Teams. Weshalb es mir am Herzen liegt, ist, dass eine Schulgemeinschaft, die im Dramadreieck gefangen ist, es schwer hat, ihre Aufmerksamkeit woanders hinzugeben – und sowohl Alltag als Transformation viel anstrengender werden als notwendig.

Das Dramadreieck sagt im Wesentlichen folgendes. Es gibt einen Täter, ein Opfer und einen Retter (denn irgendjemand will immer retten). Wenn nun der Retter den Täter angreift, wird er selbst zum Täter. Der Täter wird zum Opfer und nicht selten übernimmt dann das Opfer die Retterrolle. Und das Rad dreht sich wieder…

rausEs ist also fast egal, welche Rolle ich im Täter-Opfer-Retter-Dreieck einnehme, ich bin gefangen. Meine einzige Möglichkeit ist es, eine Position zu finden, die sich außerhalb des Dreiecks liegt und der ich bewusst keine der drei Rollen einnehme. Das erfordert allerdings sehr viel Reflexion und Selbstdisziplin und so scheint oft die einzige Möglichkeit, sich zu distanzieren und rauszunehmen, um nicht in dieser Dynamik verstrickt zu werden. Und das ist dann das, was viele den „inneren Ausstieg“ nennen. Und mit Menschen, die innerlich ausgestiegen sind, ist ebenfalls kein gemeinsamer Transformationsprozess möglich.

Nun machen sich darüber natürlich sehr viele Menschen schon sehr lange sehr viele Gedanken. Ein Lösungsansatz kommt jetzt von David Emerald mit einem Modell namens „The Empowerment Dynamic (TED)“, also die Ermächtigungsdynamik.

Was sagt er?

  • ermaechtigungOpfer sind Menschen, die das Gefühl haben, dass das Leben ihnen passiert und dass sie sehr wenig Kontrolle über das haben, was ihnen geschieht. Sie denken viel über das nach, was sie nicht haben, nicht wissen, nicht wollen. Der Weg raus aus der Opferrolle ist es daher, zum Entwickler und Schöpfer zu werden und sich auf das zu konzentrieren, was sie wollen und wie sie selbst aktiv gestalten können.
  • Täter sind Menschen, die konstant das Gefühl haben, sich wehren zu müssen. Sie befinden sich jeden Tag in einem Überlebenskampf. Der Weg aus der Täterrolle heraus ist eine Konzentration auf das Lernen, von der Definition eines Angriffes zur Definition einer Herausforderung. Damit beginnen sie auch, andere herauszufordern / selbst zum Herausforderer zu werden und helfen den Entwicklern, zu Höchstform aufzulaufen.
  • Retter sind Menschen, die ihren Selbstwert daraus ziehen, anderen Menschen zur Seite zu stehen und Außenstehendes zu reparieren. Aus der Retterrolle heraus hilft eine Konzentration auf die Ermächtigung anderer – denn sie retten hält sie klein. Mit diesem Fokus auf Selbstbestimmung sind Retter ideale Coaches, die anderen in ihren Herausforderungen und Entwicklungen begleiten können.

Gelingt es allen dreien, ihre Rolle zu transformieren, entsteht aus einem Teufelskreis ein Entwicklungskreis, denn nun sind alle da: diejenigen, die die Zukunft gestalten, die die auf Herausforderungen hinweisen und für Realismus sorgen und diejenigen, die unterstützend zur Seite stehen. Und niemand musste (innerlich) aussteigen und sich vom Team distanzieren.

Nun klingt das unglaublich komplex – ist es aber eigentlich gar nicht. Die meisten Menschen wissen, zu welchem Muster sie am meisten neigen. Um diese Entwicklung zu eröffnen, reichen oftmals drei Blätter im Raum verteilt mit „Opfer“ „Täter“ und „Retter“ und die Bitte, sich dort zuzuordnen. Dann werden diese durch die neuen Begriffe „Entwickler“ „Herausforderer“ und „Coaches“ ausgetauscht mit ein wenig Theorie über den Hintergrund und die Gruppen unterhalten sich darüber, wie sie diesen Rollenwechsel vollziehen können. Und schon gibt es erste Schritte (ganz sicher keine finale Auflösung) und vor allem eine gemeinsame Sprache für zukünftige Situationen. Und Ihr habt mehr Klarheit, an wen Ihr Euch mit welcher Bitte wenden könnt.