Was passiert, wenn Schüler*innen Verantwortung übernehmen, Lehrkräfte zu Lernbegleiter*innen werden und Schulen sich für ihr Umfeld öffnen? Der Wirkungsbericht 2025 von Schule im Aufbruch zeigt anhand von Forschungsergebnissen, Erfahrungen aus der Praxis und persönlichen Geschichten, wie Bildung gelingen kann – und welche Wirkung dieser Wandel bereits heute in den Bereichen Nachhaltigkeit, Demokratieförderung, Mentale Gesundheit und Chancengerechtigkeit entfaltet.
„Wenn ich mir etwas vom Bundeskanzler wünschen dürfte, dann dass man den FREI DAY an allen Schulen einführt“, sagt die Schülerin Elena bestimmt. „Es ist eine einmalige Möglichkeit, seine eigenen Interessen einzubringen und die Welt ein Stück besser zu machen.“
Mit diesem Satz bringt sie auf den Punkt, was den Wirkungsbericht 2025 der Schule im Aufbruch durchzieht: Es geht um eine Schule, die nicht nur auf Zukunft vorbereitet, sondern Zukunft gestaltet.
Schule im Aufbruch in Zahlen
Der Bericht zeigt, wie diese Veränderung konkret aussieht – durch Lernformate wie den FREI DAY, durch eine mehrjährige Transformationsbegleitung von Schulen und durch ein wachsendes Netzwerk, das all jene verbindet, die Bildung neu denken und leben wollen.
Im Jahr 2025 wird dieser Wandel auch in Zahlen sichtbar: 245 Schulen setzen den FREI DAY aktiv um – mit 35.436 Schüler*innen und 2.627 Lehrkräften, die wöchentlich in einem neuen Lernformat arbeiten. Seit 2021 wurden insgesamt 457 Schulen erreicht.
Auch die Transformationsbegleitung wächst weiter: 24 Schulen wurden 2025 neu aufgenommen, 43 Schulen wurden kontinuierlich begleitet. Dabei sind rund 20.500 Schüler*innen und etwa 1.600 Lehrkräfte eingebunden. Zusätzlich wurden 15 neue Transformationsbegleiter*innen ausgebildet.
Im Netzwerk von Schule im Aufbruch engagieren sich inzwischen 438 zahlende Mitglieder. Mehr als 1.000 Teilnehmende nahmen an digitalen Veranstaltungen teil, über 280 Personen an Präsenzformaten.
Geschichten, die zeigen, was Zahlen nicht erzählen können
Im Magazinteil des Wirkungsberichts werden diese Veränderungen sichtbar und greifbar. Dort erzählen Schüler*innen, Lehrkräfte und Schulleitungen von ihren Transformations-Erfahrungen und machen deutlich, was sich verändert, wenn Schule anders gedacht wird.
Wenn Schüler*innen sagen: „Ich kann selbst anfangen“, oder Lehrkräfte berichten, dass sie sich nicht mehr als „Wissensvermittler“, sondern als Lernbegleiter*innen verstehen, wird deutlich: Hier geht es nicht nur um neue Methoden, sondern um einen tiefgreifenden Haltungswandel.
Wirkung systematisch verstehen
Der Wirkungsbericht folgt einem klaren Wirkungsverständnis, Grundlage ist die Wirkungslogik von Schule im Aufbruch. Der zweite Teil des Wirkungsberichts nach dem SRS-Standard stellt transparent dar, welche Wirkung im Jahr 2025 als Ergebnis eines systematischen Entwicklungsprozesses erzielt wurde.Die Wirkung von Schule im Aufbruch 2025 wurde über verschiedene, miteinander kombinierte Ansätze erfasst: Im Projekt der Universität Bayreuth wurde die Umsetzung von BNE im Whole School Approach an sieben Schulen durch die Begleitung der Schulentwicklungsprozesse untersucht; die Forschungskooperation mit dem Institut Futur analysierte an zwölf Schulen in NRW und Niedersachsen die Wirkung des Whole School Approach im Kontext des UNESCO-Programms „ESD for 2030“ und des nationalen BNE-Monitorings.
Ergänzt wurde dies durch eine Pilotstudie der Universität Bremen zum FREI DAY mit inklusivem Fokus sowie durch umfangreiche interne Befragungen, darunter zwei jährliche FREI DAY-Umfragen, die Umsetzung und Reichweite abbilden. Zusätzlich wurde über eine Prä-Post-Befragung sowie eine Befragung der Transformations*begleiterinnen die Akademie evaluiert. Eine Umfrage zum Netzwerk Schule e.V. erfasste die Wirksamkeit der Unterstützungsangebote des Netzwerks. Insgesamt ergibt sich so ein mehrperspektivisches Bild aus Forschung, Prozessbegleitung und Befragungen.
Mehr als Lernen: Demokratieförderung, Mentale Gesundheit und Chancengerechtigkeit
Unsere Umfragen und die Evaluationen – unter anderem in Zusammenarbeit mit der Universität Bayreuth und der Freien Universität Berlin – zeigen: Schüler*innen entwickeln zentrale Zukunftskompetenzen wie kritisches Denken, Kollaboration, Kommunikation und Kreativität. Sie übernehmen mehr Verantwortung für ihr Lernen und erleben stärkere Selbstwirksamkeit. Gleichzeitig leisten die Formate von Schule im Aufbruch wichtige Beiträge zur Demokratieförderung, indem junge Menschen lernen, Verantwortung zu übernehmen, mitzugestalten und gesellschaftliche Herausforderungen aktiv anzugehen.
Schulen berichten von höherer Lernmotivation und wachsendem gesellschaftlichem Engagement – von Schülerfirmen über Podcasts bis hin zu sozialen Initiativen. Viele Schulen beobachten zudem positive Effekte auf die mentale Gesundheit der Schülerinnen, da diese ihre Interessen einbringen, Sinn in ihrem Lernen erleben und Selbstwirksamkeit erfahren.*
Auch die Rolle der Lehrkräfte verändert sich: Sie arbeiten stärker kollaborativ und entwickeln sich zunehmend zu Lernbegleiter*innen. Schulen öffnen sich stärker in ihren Sozialraum und beziehen Eltern sowie lokale Akteurinnen aktiv ein. Gleichzeitig fördern die Ansätze von Schule im Aufbruch mehr Chancengerechtigkeit, indem unterschiedliche Stärken, Perspektiven und Lernwege von Schülerinnen stärker berücksichtigt werden.
77 % der Lehrkräfte sehen ihre Schulgemeinschaft als Motor für Nachhaltigkeit
Die Forschungskooperation mit dem Institut Futur der Freien Universität Berlin zeigt: Schulen, die mit Schule im Aufbruch (SiA) zusammenarbeiten, verankern nachhaltiges Lernen bereits sichtbar im Alltag : Lehrkräfte verbinden nachhaltiges Lernen häufig mit praktischen Aktivitäten, fächerübergreifendem Lernen und externer Zusammenarbeit, während sie breite Unterstützung durch Schulleitungen und engagierte Einzelpersonen erleben. 77 % der Lehrkräfte sehen ihre Schulgemeinschaft als Motor für Nachhaltigkeit Außerdem zeigt die Untersuchung, dass Schulleitungen an SiA-Schulen eine zentrale Schlüsselrolle einnehmen und von den Lehrkräften als überdurchschnittlich engagiert und unterstützend wahrgenommen werden.
Bezeichnend ist zudem, dass der FREI DAY und die Transformationsbegleitung inzwischen Eingang in verschiedene Landesstrategien und Bildungsprogramme gefunden haben.
Diese Perspektiven zusammen zeigen: Schule im Aufbruch wirkt – wir bringen Veränderung ins Bildungssystem – eine Veränderung, die sich messen lässt. Oder anders gesagt: unsere Arbeit zeigt Wirkung, die man spüren kann, und Wirkung, die sich belegen lässt.
Wo Veränderung beginnt
Die Arbeit von Schule im Aufbruch setzt dort an, wo das bestehende Bildungssystem an seine Grenzen stößt. Sie schafft Räume, in denen Schüler*innen Selbstwirksamkeit erleben, Lehrkräfte neue Rollen entwickeln und ganze Schulgemeinschaften beginnen, Verantwortung gemeinsam zu tragen.
Dabei entsteht ein neuer Bildungsalltag, einer, der nicht auf später vorbereitet, sondern im Hier und Jetzt beginnt. Ganz im Sinne von Margret Rasfeld, die es so formuliert: „Fragt nicht so viel, macht einfach.“ Genau dieser Mut zum Handeln zieht sich durch den gesamten Wirkungsbericht 2025, in den Geschichten, die er erzählt, und in den Daten, die zeigen, dass dieser Ansatz trägt.