Plötzlich nicht mehr allein: Wie unser Netzwerk Schule verändert

„Sagen Sie mir endlich, was ich machen soll!“ – mit diesem Satz wurde die Schulleiterin Claudia Schweizer-Motte gleich zu Beginn der Schultransformation konfrontiert. Was als mutiger Aufbruch gedacht war, fühlte sich zunächst eher wie Chaos an: Heute, nur wenige Jahre später, ist aus dem Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium in Wuppertal eine Schule geworden, die andere inspiriert. Über 50 Schulen waren bereits zu Besuch, um zu erleben, wie Lernen aussehen kann, wenn Schüler*innen Verantwortung übernehmen. Der Wendepunkt? Der Schritt ins Netzwerk von Schule im Aufbruch.

Claudia, ihr habt zunächst den FREI DAY an eurer Schule gestartet. Wie sah diese Anfangsphase aus, bevor ihr Teil des Netzwerks wurdet?

Claudia: Wir sind mit einer großen Portion Naivität und einer eher chaotischen Vorbereitung gestartet. Wir dachten, wir geben den Schüler*innen einfach Freiraum und alle freuen sich – aber das Gegenteil war der Fall. Es gab Anfeindungen im Kollegium und auch Schüler*innen, die vor mir standen und riefen: „Sagen Sie mir endlich, was ich machen soll!“. Wir mussten erst Schritt für Schritt lernen, wie wir so ein Format umsetzen, weil das System sie vorher ‚verdorben‘ hat.

So haben wir dann ein halbes Jahr nach dem Start Unterstützung von Schule im Aufbruch (SiA) bekommen und sind dann – Anfang 2022 – auch Mitglied im Netzwerk geworden.

Was hat sich durch den Beitritt zum Netzwerk für dich persönlich und für die Schule verändert?

„Das Netzwerk ermutigt uns, einfach anzufangen und nicht erst auf die ‚perfekte Ausstattung‘ oder Anweisungen von oben zu warten.“

_ Claudia

Claudia: Es hat uns vor allem sortiert. Der erste große Mehrwert war die Erkenntnis: Wir sind nicht alleine. Zu sehen, dass es bei anderen Schulen ähnlich läuft und niemand mit einem perfekten Konzept startet, hat uns enorm gestärkt. Das Netzwerk ist für mich ein ‚Backoffice‘ und ein ‚Rückhalt‘. Wenn ich nicht weiter weiß, dann weiß ich, dass ich dort jemanden finde, dem oder der etwas einfällt. Es gibt mir das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein.

Kannst du den praktischen Nutzen der Netzwerkmitgliedschaft an konkreten Beispielen festmachen?

Claudia: Ein großer Mehrwert ist der Material- und Ideenaustausch. Einen Elternbrief habe ich kürzlich beispielsweise mit einer Vorlage aus dem Netzwerk geschrieben. Aber viel wichtiger sind Dinge, die aus den synchronen Online-Austauschen mit anderen Schulen aus dem Netzwerk entstehen, wie beispielsweise unser ‚Zukunftszertifikat‘. Auch, dass wir über das Netzwerk Teil von wissenschaftlichen Studien geworden sind, konkret in Projekten des Institut Futur der Freien Universität Berlin und der Medizinischen Hochschule Hannover. Das Ganze hat uns sehr geholfen, zu lernen, wie wir selbst Daten erheben können, und vor allem, daraus fundiert Ergebnisse zu ziehen und damit weiterzuarbeiten.

Zahlensnack

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Netzwerkmitglieder hatte der Verein im Jahr 2025

Ihr seid im Netzwerk aber nicht nur Nehmende, sondern auch Gebende. Im Februar 2026 fand zum Beispiel auch das Netzwerktreffen West bei euch statt. Wie sieht eure Rolle als ‚Hospitationsschule‘ aus?

Claudia: Wir sehen uns als Mutmacher*innen und Motor für den Bildungswandel. Wir stehen auf der Netzwerkkarte und haben mittlerweile bestimmt schon 50 Schulen bei uns zu Gast gehabt. Es kommen Gruppen von Gymnasien, aber auch Grundschulen, manchmal mit Eltern und Schüler*innen. Dieser Austausch ist keine Einbahnstraße. Wir haben zum Beispiel von einem Gymnasium die Idee eines ‚Ausschwärmtages‘ für das Kollegium übernommen. Statt eines klassischen pädagogischen Tages durfte das gesamte Team ausschwärmen und andere Schulen besuchen – so bin ich selbst mit Kolleg*innen bis nach Leipzig zum Gymnasium Ihmelsstraße gefahren, um dort mehr über selbstorganisiertes Lernen zu erfahren. Das Netzwerk hat uns diesen Kontakt vermittelt.

Info

Seit 15 Jahren leitet Claudia Schweizer-Motte das Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium in Wuppertal und ist Teil des Netzwerks von Schule im Aufbruch. Ihre Schule inspiriert andere im Netzwerk von SiA – über 50 Schulen waren bereits zu Hospitationen vor Ort.

Wenn du die Essenz der Netzwerkmitgliedschaft zusammenfassen müsstest, was wäre das?

Claudia: Man lernt: Alle haben plus-minus die gleichen Probleme, aber sie sind lösbar. Das Netzwerk ist eine Community von Gleichgesinnten, die ein gemeinsames Ziel haben. Es ermutigt uns, einfach anzufangen und nicht erst auf die ‚perfekte Ausstattung‘ oder Anweisungen von oben zu warten. Für mich bedeutet es, pädagogisch wirksam zu sein – direkt bei unseren Schüler*innen, aber auch in der gesamten Bildungslandschaft. SiA ist da eine super Inspirationsgeberin, um Schule zukunftsfähig zu machen.

Ihr wollt auch aufbrechen? Dann nutzt unser Aufbruch-Formular und kommt mit uns in Kontakt.

Dieses Interview ist Teil unseres Wirkungsberichtes 2025. Hier mehr erfahren.

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