„Die Vermittlung von Lernstoff ist heute nicht mehr das Wesentliche. Es geht nicht mehr darum, was wir wissen – Google weiß alles. Es geht darum, was wir mit unserem Wissen tun können. Dafür brauchen Kinder in der Schule Raum(…) Am wichtigsten sind da Kreativität, das Vermögen, komplexe Lösungen zu finden, lateral zu denken, also abseits des Mainstream.“

Prof. Andreas Schleicher, Direktor Bildung bei der OECD

Wenn unsere Schulen die Kinder und Jugendlichen auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts vorbereiten wollen, müssen sie sich völlig anders ausrichten und radikal „Schule neu denken“. Nicht die Wissensvermittlung hat Priorität, sondern die Entfaltung individueller Potenziale, es geht um Kreativität, Kooperationsfähigkeit, Empathie, Lösungskompetenzen, Frustrationstoleranz, Eigenverantwortung, die Bereitschaft zu Engagement uvm.

Potentialentfaltung

Unter einer Lernkultur der Potenzialentfaltung verstehen wir eine Lernkultur, die Vielfalt zulässt und die eine Entfaltung der individuellen Potenziale und Kompetenzen ermöglicht – eine Lernkultur, in der jedes einzelne Kind erlebt, dass es in seiner Einzigartigkeit genau richtig ist und gebraucht wird.

Kinder bringen von sich aus alles mit, was es dafür braucht! Eine Lernkultur der Potenzialentfaltung schafft daher vor allem die Bedingungen dafür, dass Lernen als ein Freude machender, kreativer und inspirierender Prozess erlebt werden kann.

Dazu gehört vor allem, dass sich Lernende wertgeschätzt und als Teil einer Gemeinschaft erfahren können. Dazu gehört auch, dass sie Raum dafür haben, eigenständig, experimentierend und erfahrungsgebunden zu lernen. Eine neue Lernkultur bedeutet, reale Herausforderungen zu meistern, Verantwortung übernehmen zu dürfen, mit Risiko und Scheitern umgehen zu lernen – eine Lernkultur, die vermittelt, was es heißt, aktiv und gestaltend in der Welt zu sein und gemeinsam mit anderen etwas Bedeutsames zu bewirken.

Eine Schule der Potenzialentfaltung ist dann ein Ort, an dem Kinder ihr Verständnis von dem, wer sie sind vertiefen können. Ein Ort, an dem sie Fähigkeiten erwerben können, um ein sinnerfülltes und glückliches Leben zu führen. Nicht das Wissen aus dem Lehrbuch steht hier im Vordergrund, sondern der Mensch und seine individuellen Potenziale und Gestaltungsmöglichkeiten.

Es wäre also an der Zeit, aufzuwachen und unsere Schulen in das umzuwandeln, was sie sein müssten: Werkstätten des Entdeckens und Gestaltens, Erfahrungsräume zur Entfaltung der in allen Kindern angelegten Potenziale, Begegnungsorte für das Voneinander- und Miteinander-Lernen, Basislager des Erlebens von gegenseitiger Achtung und Wertschätzung und des Gefühls, aneinander und miteinander über sich hinauswachsen zu können.

Gerald Hüther, Neurobiologe

Wir brauchen eine Schule

… in der die Schüler*innen ihre Potenziale entdecken und entfalten.

… in der die Entdeckerfreude und das kreative Denken erhalten bleiben.

… in der die Schüler*innen lernen, Fragen zu stellen, statt Antworten zu geben.

… in der die Schüler*innen sich in den Beziehungen und der Gemeinschaft eingebunden fühlen.

… in der die Schüler*innen sich mit „echten“ Zukunftsfragen beschäftigen.

… in der das Lernen „Sinn macht“ und die Schüler*innen Selbstwirksamkeit erfahren.

… die einen Bezug zur Lebenswelt der Schüler*innen hat und die vielfältigen Probleme der „Welt“ in den Blick nimmt.

… in der die Schüler*innen sich als Subjekte ihres Selbstbildungsprozesses erleben können.

… in der das Lernen als aktiver Aneignungsprozess verstanden wird.

… in der die Lehrenden sich selbst als Lernbegleiter verstehen.

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